Weißstorchjahresbericht 2026 für den Landkreis Celle
Da die Stelle des Weißstorchbetreuers im Kreis Celle noch nicht wieder besetzt ist, habe ich als ehemaliger Celler und derzeitiger Gifhorner Weißstorchbetreuer für dieses Jahr die Bestandserfassung und die Erstellung des Jahresberichtes übernommen. Ich stütze mich dabei auf die Informationen der Nestbesitzer, aus den NABU-Ortsgruppen, von weiteren Storchenbeobachtern sowie meine eigenen Beobachtungen. Für die Zukunft ist es aber dringend erforderlich, dass sich für den Kreis Celle wieder eine Storchenbetreuerin/ein Storchenbetreuer findet.
Weißstörche weiter im Aufwind
Neuer Höchststand : 43 Paare siedeln sich an, 73 Junge werden flügge - Junge Erstbrüter machen Verluste durch Vogelgrippe wett - vier Neuansiedlungen
2026 war erneut ein erfolgreiches Jahr für die Weißstörche im Kreis Celle. Nach 42 Paaren im Vorjahr erhöhte sich ihre Zahl auf nun 43 Paare. Sie zogen 73 Junge groß. Damit haben wir einen Weißstorchbestand wie zuletzt vor hundert Jahren. Dies ist auch darum bemerkenswert, weil von dem Vogelgrippe-Ausbruch in spanischen Winterquartieren auch Celler Störche betroffen waren. So kehrten u.a. langjährige Brutstörche der Nester in Adelheidsdorf, Großmoor und Nienhagen-Schafstallweg nicht zurück. Bei uns starb dann Mitte April das Wienhäuser Paar an Vogelgrippe. Diese Verluste wurden aber mehr als ausgeglichen dadurch , dass nun die Störche der geburtenstarken Jahrgänge ab 2023 brutreif werden. Von den 22 Celler Brutstörchen mit Ring waren 3 dreijährig (Hermannsburg, Poitzen und Spechtshorn) und 2 sogar erst zweijährig (Celle Breite Straße, Hohne Dorfstr. ) , wobei es sich in Celle, Hohne und Poitzen um Neuansiedlungen handelt. Eine vierte Neuansiedlung mit zwei unberingten Störchen fand in Thören statt. Über längere Zeit Besuch bekamen die neuen Nester in Bollersen und Hohne-Schule , sowie Westohe. Winsen mit vier und Hohne mit zunächst drei, ab Juni sogar vier Paaren sind die Orte mit den meisten besetzten Storchennestern.
Der Kreis Celle liegt voll im bundesweiten Trend. Jahr um Jahr siedeln sich auch bei uns wieder mehr Störche an. Die Hauptursache für die Rückkehr der Störche liegt in ihrem geänderten Zugverhalten. Viele überwintern nicht mehr in Afrka, sondern bereits in Spanien. Zunehmend mehr von ihnen bleiben sogar in Deutschland. Nahrung finden sie dabei vor allem auch auf Mülldeponien und in Reisfeldern. Durch die kürzeren Zugwege verringern sich die Verluste unterwegs. Dadurch kommen mehr Störche zurück.
34 Nester mit 73 flüggen Jungen
34 der 43 besetzten Storchennestern verzeichnen Bruterfolge. Es flogen 73 Junge aus bzw. werden dies in den nächsten Tagen tun. Je ein Junges ist es in Ahnsbeck, Hermannsburg, Hohne Dorfstraße, Meißendorf, Nienhagen Schafstallweg und Twetge, Schwachhausen , Wieckenberg und Winsen Auf der Hude. Je zwei Junge sind es in Altencelle, Bannetze Eiche, Bockelskamp, Celle Lachterandweg, Hohne Kirche und Knickbusch, Jeversen, Poitzen, Schepelse, Spechtshorn , Thören 1 und 2 sowie Winsen Gärtnerei. Je drei Junge wurden flügge in Altencelle-Burg, Bannetze Holzweg, Celle Stadt (Fritzenwiese), Hornbostel, Oldau, Osterloh Gottschalk, Stedden, Wathlingen, Winsen Schornsteinund Wolthausen, je vier Junge In Bleckmar und Bröckel.
Nester ohne Bruterfolg
9 Storchenpaare blieben ohne Nachwuchs. Auffällig war, dass innerhalb weniger Tage gleich in drei Nestern alleraufwärts von Celle (Oppershausen, Wienhausen, Langlingen Mylius) die Jungen im Alter von kaum einer Woche starben. Hier sind wohl Nässe und Kälte verbunden mit elterlicher Unerfahrenheit die Hauptursachen. Ebenfalls Brutabbrüche gab es in Celle Breite Straße, Großmoor, Hambühren, Langlingen-Schleuse, Osterloh-Pieper und Winsen J.Hinsch Hof.
Der diesjährige Schnitt von 1,70 flüggen Jungen pro Paar allgemein und 2,15 pro Paar mit Bruterfolg entspricht in etwa dem - im Celler Land im Bundesvergleich allerdings relativ niedrigen - der letzten 15 Jahre. Nahrungsmangel spielte im Kreis Celle diesmal keine wesentliche Rolle. Aus etlichen Regionen wird ein hoher Mäusebestand berichtet.
Ausblick: Vieles spricht dafür, dass der Weißstorchbestand bei uns auch in den nächsten Jahren zunimmt. Immer mehr Junge der geburtenstarken Jahrgänge ab 2023 werden brutreif. Wichtig wird sein, dass es keine größere Verluste durch Vogelgrippe oder Unwetter gibt und das derzeitige gute Nahrungsangebot in den Überwinterungsgebieten erhalten bleibt. Unsere Aufgabe ist es in jedem Fall, weiter dafür zu sorgen, dass die Störche hier bei uns genügend geeignete Nahrungsflächen, Biotope und Nistmöglichkeiten für sich und ihren Nachwuchs vorfinden.
CE-Weißstorchdaten 2026 - Nesttelegramm
Adelheidsdorf
Vorjährigiges Brutpaar nicht zurückgekehrt, neu errichtete Nisthilfe bis auf gelegentliche Besuche leer.
Ahnsbeck
Ankunft am 23. und 24.2., 1 Junges flügge.
Altencelle
Ankunft am 21. und 26.02., erste Fütterung am 20.4, zwei Junge flügge.
Altencelle-Burg
1 von 3 flüggen Jungen tot unter Stromleitung , Nestbauversuche eines zweiten Paares.
Bannetze Eiche
2 Junge flügge.
Bannetze Holzweg
3 Junge flügge, evtl. ein Altvogel Verkehrsopfer (unklar, ob von diesem Nest).
Bergen Lukenstraße
Neue Nisthilfe mit gelegentlichen Besuchen.
Bleckmar
4 Junge flügge , erfolgreichstes Paar mit 14 Jungen in drei Jahren.
Bockelskamp
Männchen seit 2018, 2 Junge flügge.
Bollersen
Vom 10. bis 25.05. Paar auf neuer Nisthilfe, dann gelegentliche Besuche.
Bröckel Schornstein
Für das Männchen fünfter Brutstandort in der Region, 4 Junge flügge.
Celle Lachterandweg
2 Junge flügge.
Celle Fritzenwiese
Anfangs 4 Junge gesichtet, 3 Junge flügge.
Celle Breite Straße
Neuansiedlung auf Schornstein, zweijähriger Brutstorch, Abbruch nach Jungentod durch Nässe-Kälte.
Großmoor
Weibchen der Vorjahre fehlt, Brut mit junger Störchin, Abbruch.
Hambühren
Junge geschlüpft, Brutabbruch am 16.05.Hermannsburg
Paar vom Vorjahr wiedergekommen, 2 Junge geschlüpft, 1 Junges flügge.
Hohne Dorfstraße
Nach heftigen Kämpfen Neuansiedlung auf ausgelichteter Linde, drittes Brutpaar im Ort, zweijähriger Brutstorch, 1 Junges flügge.
Hohne Kirche
Weibchen der letzten Jahre fehlt, ersetzt durch Weibchen Ummern-West, 2 Junge flügge, per Webcam zu verfolgen.
Hohne Knickbusch
Neue Störchin ist die der Vorjahre aus Hahnenhorn, 2 Junge flügge, Baumnest nach Stürmen nun instabil.
Hohne Schule
Am 25.05. und 05.06. junges Paar (Weibchen zweijährig), baut Nest auf dem Schornstein, bleibt, somit viertes Paar im Ort.
Hornbostel
Weibchen 22-jährig, Männchen 11-jährig, achte gemeinsame Brut, 3 Junge flügge.
Jeversen
2 Junge flügge.
Langlingen, Mylius
Männchen ab 2014 nun nicht wiedergekommen, Weibchen des neuen Paares zuvor in Hohne-Knickbusch, Brutabbruch bald nach Jungenschlupf.
Langlingen Schleuse
Undurchsichtiges Brutgeschehen, Junge geschlüpft, wurden aber nicht flügge.
Meißendorf Breliendamm
Ankunft des Paares am 14.04., späteste Brut im Kreis Celle, 1 Junges bald flügge.
Nienhagen Schafstallweg
Weibchen der Vorjahre fehlt, Männchen "Bob der Baumeister", nun 26 Jahre alt und seit 2006 Brutstorch in Nienhagen, findet nach etlichen Versuchen neues junges Weibchen, 3 Eier, 1 geschlüpftes und auch flügges Junges.
Nienhagen Twetge
Erster Storch tot aufgefunden, Brutpaar dann mit anfangs mit 2 Jungen, 1 wurde flügge.
Oldau
Männchen seit 2019, 3 Junge flügge - bestes Brutergebnis seit 1981 (!).
Oppershausen
Junges Paar im Nest auf gekappter Eiche, Brutabbruch eine Woche nach Schlupf von mindestens 2 Jungen.
Osterloh Gottschalk
Ankunft zweier Störche am 23.03., Männchen nun im dritten Jahr, 3 Junge flügge.
Osterloh Pieper
Ankunft 12.02. und 01.03. . 5 Junge geschlüpft, zunächst 3 tot abgeworfen, die anderen beiden danach gestorben.
Poitzen
Erstmalige Storchenbrut im Ort (!), dreijähriges, aus Jeversen stammendes Männchen, vier Eier gelegt, zwei Junge geschlüpft und demnächst flügge.
Schepelse
Wie im Vorjahr beide Brutstörche unberingt, 2 Junge flügge , ungewöhnlicher Besuch eines Pelikans.
Schwachhausen
Nicht mehr als 1 Junges gesehen, das wurde flügge.
Spechtshorn
Neues, dreijähriges aus Langlingen stammendes Männchen, nun siebenjähriges, aus Rühstädt stammendes Weibchen seit 2023 Brutstörchin, 2 Junge flügge.
Stedden
Paar traf am 18.03. ein, 3 flügge Junge, erster Bruterfolg seit Nestbau 2013 (!).
Thören 1 Altthören
Erstaunlich geringe Gegenwehr bei Neuansiedlung Thören 2 , 2 Junge flügge, eins dann tot durch Flug in Stromleitung.
Thören 2 Thörener Straße
Neuansiedlung auf Holzmast in Sichtweite zu Thören 1, 2 Junge flügge.
Wathlingen
Dasselbe Paar wie erstmals 2022, 3 Junge flügge.
Westohe
Mitte April Besuchspaar für zwei Wochen, dann leer.
Wieckenberg
Ankunft 05. und 26.03., 3 Junge geschlüpft, 1 davon flügge.
Wienhausen
Tod des ersten Paares am 17.und 19.04 durch Vogelgrippe, ab 22.04. neues junges Paar, Junge geschlüpft, aber nach einer Woche gestorben.
Winsen Auf der Hude
Nest auf neu ausgeschnittener Pappel von jungem Paar angenommen und ausgebaut, 1 Junges aufgewachsen und flügge.
Winsen Gärtnerei
Alte Nisthilfe wie im Vorjahr von unberingtem Paar besetzt, 2 Junge flügge.
Winsen Jann Hinsch Hof
Es wurde gebrütet, Fütterung und elterliches Zudecken der Jungen bei Regen beobachtet, nach gut einer Woche Brutabbruch.
Winsen Schornstein
Beringtes, aus Hornbostel stammendes Männchen jetzt seit 2016 Brutstorch, 3 Junge flügge, per Webcam zu beobachten:
Wolthausen
Beringtes, aus Kaiserwinkel (GF) stammendes Weibchen seit 2016 Brutstörchin, 3 Junge flügge.
Lachendorf, den. 27. Juli 2026
Hans-Jürgen Behrmann